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Was ist ein psychosoziales Zentrum?
Die psychosoziale Versorgung Schutzsuchender, finanziert durch Steuermittel, ist ökonomisch rational: Sie entlastet perspektivisch alle anderen Sozialsysteme, so auch die Kranken- und Rentenversicherungssysteme und wirkt sich durch reduzierte Produktivitätsausfälle auch auf Arbeit, Bildung und Teilhabe positiv aus. Im Endeffekt ist es teurer für den Sozialstaat, die Erkrankungen schutzsuchender Menschen verspätet zu behandeln, als diese sofort medizinisch angemessen zu versorgen.
In unterschiedlicher Trägerschaft durch Verbände der Freien Wohlfahrtspflege sind die sechs psychosozialen Zentren (PSZ) in Rheinland-Pfalz an den Hauptstandorten Mayen (Caritas), Trier (Caritas/Diakonie), Mainz (Caritas), Ludwigshafen (Diakonie), Montabaur (Diakonie) und Kaiserslautern (DRK) angesiedelt. Alle Zentren betreiben Außenstellen bzw. bieten regelmäßige Außensprechstunden in ihren jeweiligen therapeutischen Zuständigkeitsbereichen an.
Trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen und einer auf die örtlichen Rahmenbedingungen angepassten Angebotsstruktur, halten alle Zentren grundsätzlich dasselbe Portfolio an Beratungs- und Therapieangeboten für Geflüchtete und Folteropfer vor. Dazu zählen insbesondere psychosoziale und/oder aufenthaltsrechtliche Beratung, pädagogische Angebote sowie Einzel- und Gruppentherapieangebote – jeweils sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus erfolgt eine Vernetzung mit und Vermittlung in weiterführende Versorgungs- und Unterstützungsangebote.
Angesichts des bestehenden Unterangebots an adäquater therapeutischer Versorgung auch in Rheinland-Pfalz, stellen die PSZ einen wichtigen, an vielen Stellen sogar wesentlichen Bestandteil der psychosozialen Versorgung für Geflüchtete dar.
Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Arbeit der Zentren mit einer Sockelfinanzierung, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht wurde – zuletzt mit zusätzlichen Mitteln für den Ausbau therapeutischer Angebote für Kinder und Jugendliche sowie für eine stärkere Präsenz in der Fläche.
Gleichzeitig bleibt die Finanzierung aber eine zentrale Herausforderung.
Die Förderung erfolgt bislang nicht auf einer dauerhaft gesicherten Basis, sondern im Rahmen jährlich neu zu bewilligender Projektmittel. Diese fehlende Verstetigung erschwert eine langfristige Personal- und Angebotsplanung erheblich und führt zu einer ständigen strukturellen Unsicherheit in der Arbeit der Zentren.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch dieser Bereich – wie viele andere im sozialen und therapeutischen Feld – massiv vom Fachkräftemangel betroffen ist. Vor allem bei kurzfristigen Personalabgängen oder krankheitsbedingten Ausfällen gestaltet sich die Nachbesetzung offener Stellen zunehmend schwierig.
Die Kombination aus unsicherer Projektförderung, begrenztem Fachkräfteangebot und bestehender Mitarbeiterfluktuation stellt die Zentren vor erhebliche Herausforderungen in der Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung ihrer wichtigen Versorgungsangebote.
*vgl. Biddle, Louise: Verlängerte Leistungseinschränkungen für Geflüchtete: Negative Konsequenzen für Gesundheit – erhoffte Einsparungen dürften ausbleiben, in DIW Wochenbericht Nr. 12/2024, S. 199–207.
